Thematische Sortierung von geförderten Projekten

Hier finden Sie Beispiele von Projekten sortiert nach Themenbereichen. Die von uns vorgenommene Einordnung soll Ihnen eine Hilfestellung bieten, wenn Sie sich vor allem in einem thematischen Bereich bewegen und sich einen ersten Eindruck verschaffen möchten, ob und wie Ihre Projektidee über das Bürgerschaftsprogramm gefördert werden kann. Die Beispiele bilden eine große Bandbreite von Ansätzen und Methoden ab, die für die Umsetzung von Bürgerbeteiligungsprojekten eingesetzt werden können.

Jugend

Migration - Flucht

Kultur

Ländlicher Raum

Digitalisierung

Jugend

»Erinnern für die Zukunft«

© Stiftung »Erinnern ermöglichen«

Mit dem Ziel jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, sich intensiv und unmittelbar mit der Geschichte Europas während des nationalsozialistischen Regime auseinander zu setzen und deren Bewusstsein für das Friedensprojekt »Europäische Union« sowie dessen Bedeutung für das Leben im heutigen Europa zu stärken, führt die deutsche Stiftung »Erinnern ermöglichen« von 2014 bis 2016 sieben Schülerfahrten nach Auschwitz durch. Hierbei arbeitet sie mit vier weiteren Einrichtungen und Organisationen aus Deutschland und Polen zusammen. Die je 25 Jugendlichen besuchen u.a. die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Auschwitz sowie das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und führen Zeitzeugengespräche. Zum Abschluss der Reise gestalten die Teilnehmenden einen feierlichen Abschied von Auschwitz: An der »Judenrampe« in der Nähe von Birkenau, dem Ort, an dem die KZ-Häftlinge in Eisenbahnwaggons ankamen und selektiert wurden, lesen sie kurze Texte über Auschwitz, stecken Botschaften an den Waggon, der heute noch auf dem Bahngleis steht und gedenken den Ermordeten. Die Schüler/innen dokumentieren das Erlebte in Form von Texten, Fotos und Videos. Die Dokumentationen der Zeitzeugenberichte durch die Teilnehmer/innen werden in Unterrichtsmaterialien einfließen, die im Rahmen des Projekts erstellt und auf der Internetseite der Stiftung zugänglich gemacht werden. Die EU-Kommission unterstützt das Erinnerungsprojekt mit rund 97.500 Euro.

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»Sound in the silence«

© Marcin Oliva Soto

Im September 2015 trafen sich 30 Jugendliche aus Hamburg, Legnica (PL) und Budapest (HU) im Rahmen des Erinnerungs- und Verständigungsprojekts »Sound in the Silence« in Danzig. Unter der Koordination des »European Network of Remembrance and Solidarity« (ENRS), das dem nationalen Zentrum für Kultur (PL) angegliedert ist, sollten junge Menschen durch neue Formen der Erinnerungsarbeit einen individuellen und empathischen Zugang zu historischen Ereignissen erhalten. Die jugendlichen Teilnehmenden beschäftigten sich in Workshops für Tanz, Theater, Singer-Songwriter, Musik-Percussion und Creative Writing mit der Geschichte der Grenzgebiete zwischen Deutschland und Polen. Der thematische Fokus lag dabei insbesondere auf dem Zweiten Weltkrieg als tragischem und gewalttätigen Moment der Weltgeschichte und der Solidarnosc-Bewegung in Polen. Ausgehend von einer Streikbewegung 1980 wirkte die freie Gewerkschaft Solidarnosc entscheidend an den Aufbrüchen in Osteuropa und dem damit verbundenen politischen Wandel in Europa mit. An verschiedenen Gedenkstätten wurden die Jugendlichen mit diesen Momenten der europäischen Geschichte konfrontiert und entwickelten aus ihren Eindrücken Lieder, Filme und Theaterstücke, die sie am Ende der Projektwoche einem Publikum von 80 Menschen aus den vier beteiligten Ländern vorführten. Während des Treffens entstand außerdem eine Dokumentation, die im Sommer 2016 als Film in deutscher und englischer Sprache erscheinen wird.
Das Hamburger Stadtteil- und Kulturzentrum MOTTE e.V. ist Partner in dem Projekt. Mit drei Vorgänger-Projekten hatte die MOTTE 2011 und 2013 diese Form der Erinnerungsarbeit bereits erprobt und brachte ihre Erfahrungen in das EU-Projekt ein, das im Rahmen von »Europa für Bürgerinnen und Bürger« mit 40.000 Euro gefördert wurde.

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»Europäisches Jugendparlament in Nettetal«

© Stadt Nettetal

Die deutsche Einheit und die europäische Einigung waren Thema der Bürgerbegegnung, die rund um den 3. Oktober 2015 in Nettetal (NRW) stattfand und von der EU mit 14.500 Euro gefördert wurde. Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren aus den Partnerstädten Caudebec-en-Caux (FR), Elk (PL), Rochlitz (Sachsen) sowie der Nachbargemeinde Venlo (NL) kamen für fünf Tage mit Nettetaler Schüler/innen zusammen. Das CIVIC-Institut für internationale Bildung unterstützte die Gemeinden bei der Umsetzung. Im Planspiel »Fokus Balkan« stellten die insgesamt 67 jungen Teilnehmer/innen Beitrittsverhandlungen mit Mazedonien, der Türkei und weiteren Kandidaten nach und lernten die komplexen Entscheidungsprozesse in der EU kennen. Mit Jens Geier, Mitglied des Europäischen Parlaments (EP), sprachen sie über Flüchtlingspolitik, Bankenrettung und seine Abgeordnetentätigkeit. Ein Höhepunkt der Begegnung war die Exkursion zum EP in Brüssel: Im Plenarsaal und im 360°-Kino des Besucherzentrums informierten sich die Jugendlichen multimedial über die Aufgaben der EU-Institution. Passend zum Tag der Deutschen Einheit standen am 3. Oktober politisch-historische Workshops auf dem Programm. Die Schüler/innen gestalteten Collagen, studierten ein Theaterstück ein und befragten Passanten zu aktuellen Themen. Andere erforschten die europäische Vergangenheit in Zeitzeugeninterviews oder entwickelten Ideen, wie die EU in 25 Jahren aussehen könnte. Ihre Werke präsentierten sie vor 200 Besuchern. Das Fazit der jungen Europäer/innen: Die Begegnung habe ihnen »richtig viel gebracht« und die EU greifbarer werden lassen.

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»L’Europe sans barrières – jeux sans frontièrs«

© Partnerschaftsverein Gomadingen

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in Europa stellt eine große Herausforderung für die Europäische Union dar und bot Anlass für eine viertägige Bürgerbegegnung der Partnergemeinden Gomadingen (DE), Waimes (BE) und Buis les Baronnies (FR). Unter dem Motto »L‘ Europe sans barrières – jeux sans frontièrs. Berufliche Chancen für Jugend im Rahmen der Städtepartnerschaften« trafen sich 65 deutsche, 68 französische sowie 140 belgische Teilnehmer/innen im Oktober 2014 in Waimes, um sich bei einer ausbildungspolitischen Konferenz über die aktuelle Ausbildungssituation von Jugendlichen in den drei Gemeinden auszutauschen und konkrete Möglichkeiten für eine Verbesserung der Lehrstellensituation zu schaffen: Während in Gomadingen viele Ausbildungsplätze nicht besetzt werden können, finden in Buis les Baronnies und Waimes dagegen viele junge Menschen keine Lehrstelle. Ziel war es, die teilnehmenden Bürger/innen für die individuellen Vorteile der Freizügigkeit in Europa zu sensibilisieren und die Mobilitätsbereitschaft v.a. bei arbeitslosen Jugendlichen zu fördern. Die Konferenz bot u.a. die Möglichkeit, sich über verschiedene Ausbildungssysteme in Belgien, Deutschland und Frankreich und Fördermöglichkeiten der EU für Auslandaufenthalte zu informieren. Parallel zur Konferenz fanden die Spiele ohne Grenzen statt. Bereits zum dritten Mal seit 2012 beteiligten sich Mannschaften der drei Gemeinden an den Wettkämpfen, die u.a. Wissensspiele über Europa beinhalteten. Die EU unterstützte die Bürgerbegegnung mit 20.000 Euro.

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Europäisches Jugendsportforum »EUYOUPA«

© Bundesstadt Bonn, Referat Stadtförderung

170 Jugendliche und deren Begleiter/innen aus vier Nationen erlebten im September 2014 beim europäische Jugendsportforum der Bad Godesberger Partnerstädte eine Bürgerbegegnung der besonderen Art: Sie verband Sport mit Information und Diskussion. Die Stadt Bonn, die Stadt Kortrijk (BE), das Partnerschaftskomitee des Bezirks Windsor and Maidenhead (GB) und die Vereinigung zur Entwicklung des internationalen Austausch Saint-Cloud (FR) organisierten das viertägige Forum, das die EU mit 16.500 Euro unterstützte. Auch eine Delegation der Bonner Partnerstadt Berlin-Steglitz (DE) nahm teil. Den Auftakt bildete eine festliche Abendveranstaltung unter dem Motto »Europäische Integration durch Sport« mit Vertreter/innen aus Politik, Gesellschaft und Kultur. Der Bonner Oberbürgermeister referierte über die Bedeutung der Städtepartnerschaften für die europäische Verständigung und der Leiter des Stadtsportbundes in Bonn hielt einen Vortrag über die Rolle des Sports als integratives Element in Europa. Bei der feierlichen Eröffnung am zweiten Tag, zu der auch interessierte Bürger/innen eingeladen worden waren, präsentierten sich die Jugendlichen in ihren Mannschaften mit den Flaggen ihrer Heimatstadt und kämpften anschließend in den ersten sportlichen Wettkämpfen um Punkte. Eine Stadtrundfahrt »Auf Europas Spuren« durch Bonn, bei der der Leiter der Bonner Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland den Jugendlichen die Entstehungsgeschichte der EU und die europäische Zusammenarbeit erläuterte sowie das »Europa-Forum«, bei dem die Jugendlichen mit Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordneten über die Auswirkung von Europapolitik auf den einzelnen Bürger sowie Möglichkeiten der Partizipation diskutierten, bildeten weitere Höhepunkte der Begegnung. 

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»Europa in Vielfalt gestalten«

Junge Menschen stärker für Europa und die Europäische Union zu interessieren und sie zur aktiven Mitgestaltung der Zukunft Europas zu motivieren, ist Ziel des zivilgesellschaftlichen Projekts »Europa in Vielfalt gestalten«. Der deutsche Verein Bürger Europas e.V. ist Koordinator des europäischen Vorhabens. Gemeinsam mit 17 weiteren Partnerorganisationen aus der Jugend- und Europabildungsarbeit aus elf Ländern führt er in der Zeit von Januar 2015 bis Juli 2016 eine siebenteilige internationale Konferenzreihe durch, die durch die Entwicklung, Produktion und den europaweiten Einsatz des Europa-Filmquiz »In Vielfalt geeint« ergänzt wird. Ungefähr 550 Geschichts- und Politiklehrer/innen, Politiker/innen, Schüler- und Medienvertreter/innen aus den Partnerländern nehmen an den Veranstaltungen teil und beschäftigen sich mit der Frage, wie junge Menschen stärker in die aktive Gestaltung Europas eingebunden werden können. Die Europäische Kommission unterstützt das Vorhaben mit einem Betrag in Höhe von 132.500 Euro.

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Migration - Flucht

»Europatag in Niedenstein – Europäische Migrationspolitik im Fokus«

© Partnerschaftsverein Niedenstein

Das Ringen um den richtigen Umgang mit Migration beschäftigt nicht nur die Politik, sondern auch die Kommunen, die Geflüchtete aufnehmen. Flucht, Toleranz und Integration stehen deshalb im Mittelpunkt der viertägigen Bürgerbegegnung, die der Partnerschaftsverein Niedenstein mit dem Comité de Jumelage der Partnergemeinde St. Germer de Fly (FR) Anfang Mai 2016 in Niedenstein (Hessen) durchführt. Rund 360 Personen, darunter 60 Gäste aus Frankreich sowie in Niedenstein lebende Flüchtlinge, nehmen an dem Treffen teil, das von der EU mit 10.000 Euro gefördert wird. Als Einstieg wird der Spielfilm »Heute bin ich Samba« gezeigt, der die Situation illegal Immigrierter in Frankreich thematisiert. Vertreter der Gemeinden berichten über die Flüchtlingssituation in ihren Kommunen, danach diskutieren die Teilnehmer/innen die vorgestellten Herangehensweisen. Eine Exkursion ins Museum Friedland verdeutlicht am Beispiel des dortigen Grenzdurchgangslagers, welche wichtige Rolle Migration in der deutschen und europäischen Geschichte hat. Sportlicher Höhepunkt des Treffens ist das Boule-Turnier: Jung und Alt, Einheimische, französische Gäste und Flüchtlinge treten in gemischten Teams gegeneinander an und überwinden so sprachliche und soziale Barrieren. Das Turnier soll regelmäßig wiederholt werden, um Verständnis und Integration zu fördern. Politische Komponente des Abends ist eine Diskussionsrunde mit Martina Werner (MdEP) zur »Europäischen Agenda für Migration«. Die Begegnung endet am 8. Mai mit dem Gedenken an den 71. Jahrestag der Befreiung Europas von der Nazi-Diktatur. Eine Feedbackrunde bietet Raum für Reflektion, bevor die französischen Gäste verabschiedet werden.

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»Migrain - Migration und Immigration: soziale Auswirkungen und die Reaktion der Bürger auf die nachhaltige und friedvolle Entwicklung eines integrierten Europas«

Seit Jahrhunderten wird die gesellschaftliche, kulturelle und politische Landkarte weltweit durch Ein- und Auswanderung geprägt. Mit dem Einsetzen der großen Fluchtbewegungen aus dem Nahen Osten und Afrika Mitte 2015 hat Migration an europapolitischer Bedeutung gewonnen. Die mit Zu- und Abwanderung generell verbundenen Herausforderungen sind Thema des transnationalen Vernetzungsprojekts »Migrain – Migration und Immigration: soziale Auswirkungen und die Reaktion der Bürger auf die nachhaltige und friedvolle Entwicklung eines integrierten Europas«.
Unter der Koordination der polnischen Stadt Cieszanów fand zwischen Februar 2015 und September 2016 eine Veranstaltungsreihe mit rund 540 Teilnehmenden statt. Kooperationspartner waren sieben Städte und Gemeinden aus sechs Ländern (Bulgarien, Deutschland, Griechenland, Italien, Rumänien und Ungarn). Als deutscher Partner war die baden-württembergische Gemeinde Argenbühl beteiligt.
Ziele der Veranstalter waren ein Bewusstsein für die Auswirkungen der Migrationsprozesse – sowohl in Abwanderungs- als auch in Zuwanderungsländern – zu schaffen, den Wissens- und Erfahrungsaustausch der Bürger/innen und gleichzeitig ihr Engagement anzuregen. An den internationalen Tagungen nahmen Vertreter/innen der Stadtverwaltungen, von Vereinen und Organisationen, die sich mit dem Thema Migration und /oder europäischen Städtepartnerschaften befassen, sowie interessierte Bürger/innen aus den Partnerkommunen teil.

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»Kontroversen in der europäischen Migrationspolitik«

© Borderline Europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V.

Die anhaltenden Fluchtbewegungen aus Krisen- und Kriegsgebieten offenbaren die Uneinigkeit der EU-Mitgliedsstaaten. Flüchtlinge treffen auf gesicherte Grenzen; Abschottung und Fremdenfeindlichkeit stellen die europäischen Werte wie Solidarität und Achtung der Menschenrechte in Frage. Der Verein »borderline europe – Menschenrechte ohne Grenzen e.V.« greift dieses Konfliktfeld der europäischen Migrationspolitik mit Vereinen aus Italien und Österreich im Rahmen des EU-Projektes »Kontroversen der europäischen Migrationspolitik – Schutzgewährung versus Grenzsicherung« auf.
Zwischen Oktober 2015 und März 2017 organisiert das Partnerkonsortium eine zehnteilige Veranstaltungsreihe, dvon haben bis September 2016 vier Zusammenkünfte in München, Innsbruck, Palermo und Kiel stattgefunden. In de öffentlichen Bildungs- und Diskussionsveranstaltungen werden nicht nur Vereine und Organisationen, die sich dem Themenkomplex Flucht und Migration widmen, eingebunden, sondern vor allem die Bürger/innen aus den drei beteiligten Ländern. Anhand der europäischen Flüchtlingspolitik soll das mit rund 140.000 Euro geförderte EU-Projekt außerdem die transnationale Debatte über die Zukunft der EU intensivieren.
Im Mittelpunkt der Tagungsreihe steht die differenzierte Betrachtung von Fluchthilfe und ihrer Kriminalisierung. Menschen, die Asylsuchenden auf ihrer Flucht helfen, werden oftmals strafrechtlich verfolgt, obwohl sie aus humanitären und menschenrechtlichen Beweggründen heraus agieren. Die Handhabung in Bezug auf illegale Einreisen auf regionaler, nationaler und europäische Ebene ist daher zentraler Diskussionsgegenstand des Projekts. Eine der Veranstaltungen war die »2. Internationale Schlepper- und Schleusertagung« im Oktober 2015 in den Münchener Kammerspielen. Die Inszenierung des brisanten Themas als Tagung ermöglichte eine zugespitzte, zuweilen ironische Hinterfragung der Kriminalisierung von Fluchthilfe.

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Kultur

»Bridging Generations«

Wie kann man die kollektive Erinnerung für die Gestaltung einer lebenswerten Zukunft in Europa nutzen? Dies war die Ausgangsfrage für das Geschichtsprojekt »Bridging Generations«, das im Oktober 2014 startete und von der Europäischen Kommission mit 97.750 Euro unterstützt wird. Unter der Koordination des Vereins Jugend- und Kulturprojekt e.V. aus Dresden sind an dem Projekt die Landeshauptstadt Dresden, die Stadtverwaltung Kistarcsa (HU), das Kulturzentrum der Gemeinde Olesnica (PL), die Nichtregierungsorganisation YouNet (IT), die Aristotelis-Universität Thessaloniki (GR) sowie Addart Thessaloniki (GR) beteiligt. Das Projektkonsortium möchte den Austausch zwischen jungen und älteren Menschen über den Zweiten Weltkrieg fördern und so der jungen Generation den Zugang zu Wissen über totalitäre Strukturen eröffnen. Neben Studenten der Fächer Soziologie, Cinematografie, bildende Kunst, Journalismus und Geschichte sowie Senioren aus Ländern, die totalitäre Regime und Besetzung erlebt haben, sind Wissenschaftler/innen und Journalist/innen beteiligt. In mehreren Veranstaltungen, darunter Konferenzen, Forschungstreffen und Studienbesuche in Dresden, Breslau und Thessaloniki, befassen sie sich, ausgehend von den Erfahrungen der Älteren mit dem Zweiten Weltkrieg, mit Vertreibung und Migration. Neben Gesprächen, Diskussionsrunden und Zeitzeugeninterviews findet auch eine künstlerische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit sowie mit aktuellen Formen der Gedenkkultur statt. Die Ergebnisse werden in Form einer Ausstellung und einer Performance der Öffentlichkeit präsentiert. 

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»Sound in the silence«

© Marcin Oliva Soto

Im September 2015 trafen sich 30 Jugendliche aus Hamburg, Legnica (PL) und Budapest (HU) im Rahmen des Erinnerungs- und Verständigungsprojekts »Sound in the Silence« in Danzig. Unter der Koordination des »European Network of Remembrance and Solidarity« (ENRS), das dem nationalen Zentrum für Kultur (PL) angegliedert ist, sollten junge Menschen durch neue Formen der Erinnerungsarbeit einen individuellen und empathischen Zugang zu historischen Ereignissen erhalten. Die jugendlichen Teilnehmenden beschäftigten sich in Workshops für Tanz, Theater, Singer-Songwriter, Musik-Percussion und Creative Writing mit der Geschichte der Grenzgebiete zwischen Deutschland und Polen. Der thematische Fokus lag dabei insbesondere auf dem Zweiten Weltkrieg als tragischem und gewalttätigen Moment der Weltgeschichte und der Solidarnosc-Bewegung in Polen. Ausgehend von einer Streikbewegung 1980 wirkte die freie Gewerkschaft Solidarnosc entscheidend an den Aufbrüchen in Osteuropa und dem damit verbundenen politischen Wandel in Europa mit. An verschiedenen Gedenkstätten wurden die Jugendlichen mit diesen Momenten der europäischen Geschichte konfrontiert und entwickelten aus ihren Eindrücken Lieder, Filme und Theaterstücke, die sie am Ende der Projektwoche einem Publikum von 80 Menschen aus den vier beteiligten Ländern vorführten. Während des Treffens entstand außerdem eine Dokumentation, die im Sommer 2016 als Film in deutscher und englischer Sprache erscheinen wird.
Das Hamburger Stadtteil- und Kulturzentrum MOTTE e.V. ist Partner in dem Projekt. Mit drei Vorgänger-Projekten hatte die MOTTE 2011 und 2013 diese Form der Erinnerungsarbeit bereits erprobt und brachte ihre Erfahrungen in das EU-Projekt ein, das im Rahmen von »Europa für Bürgerinnen und Bürger« mit 40.000 Euro gefördert wurde.

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»Offene Grenzen. Deutsch-französisches Künstlerprojekt 2014«

© Jutta Stalfort

Unter dem Titel »Offene Grenzen. Deutsch-französisches Künstlerprojekt 2014« fand im Herbst 2014 eine Bürgerbegegnung unter Koordinierung des Partnerschaftsvereins Bersenbrück-Tinténiac e.V. in Bersenbrück statt. Darüber hinaus wirkten kulturelle Akteure an dem Projekt mit, unter anderem das Kulturzentrum »Krabat« der Samtgemeinde Bersenbrück und der bretonische Verein »L’Art aux champs«.
Das deutsch-französische Künstlerprojekt war eingebettet in eine Bürgerbegegnung, die sich dem 25. Jahrestag des innerdeutschen Mauerfalls widmete und an der insgesamt 332 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen. Im Mittelpunkt stand die künstlerische Aufarbeitung dieses historischen Ereignisses. Zum einen schufen die Künstlerinnen und Künstler aus beiden Ländern gemeinsame Kunstwerke zur Thematik. Zum anderen arbeiteten sie mit Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen der Region, der Kunstschule sowie der Volkshochschule in kunstpädagogischen Workshops. Die Werke aller Beteiligten wurden in der abschließenden Ausstellung präsentiert. Das mit 5.000 Euro von der EU bezuschusste Projekt förderte durch die Kommunikation über Kunst den Dialog über Kultur, Identität und Geschichte der Partnerländer und involvierte dabei Menschen aller Altersstufen und mit sehr unterschiedlichen sozialen Hintergründen.

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»Kontroversen in der europäischen Migrationspolitik«

© Borderline Europe - Menschenrechte ohne Grenzen e.V.

Die anhaltenden Fluchtbewegungen aus Krisen- und Kriegsgebieten offenbaren die Uneinigkeit der EU-Mitgliedsstaaten. Flüchtlinge treffen auf gesicherte Grenzen; Abschottung und Fremdenfeindlichkeit stellen die europäischen Werte wie Solidarität und Achtung der Menschenrechte in Frage. Der Verein »borderline europe – Menschenrechte ohne Grenzen e.V.« greift dieses Konfliktfeld der europäischen Migrationspolitik mit Vereinen aus Italien und Österreich im Rahmen des EU-Projektes »Kontroversen der europäischen Migrationspolitik – Schutzgewährung versus Grenzsicherung« auf.
Zwischen Oktober 2015 und März 2017 organisiert das Partnerkonsortium eine zehnteilige Veranstaltungsreihe, dvon haben bis September 2016 vier Zusammenkünfte in München, Innsbruck, Palermo und Kiel stattgefunden. In de öffentlichen Bildungs- und Diskussionsveranstaltungen werden nicht nur Vereine und Organisationen, die sich dem Themenkomplex Flucht und Migration widmen, eingebunden, sondern vor allem die Bürger/innen aus den drei beteiligten Ländern. Anhand der europäischen Flüchtlingspolitik soll das mit rund 140.000 Euro geförderte EU-Projekt außerdem die transnationale Debatte über die Zukunft der EU intensivieren.
Im Mittelpunkt der Tagungsreihe steht die differenzierte Betrachtung von Fluchthilfe und ihrer Kriminalisierung. Menschen, die Asylsuchenden auf ihrer Flucht helfen, werden oftmals strafrechtlich verfolgt, obwohl sie aus humanitären und menschenrechtlichen Beweggründen heraus agieren. Die Handhabung in Bezug auf illegale Einreisen auf regionaler, nationaler und europäische Ebene ist daher zentraler Diskussionsgegenstand des Projekts. Eine der Veranstaltungen war die »2. Internationale Schlepper- und Schleusertagung« im Oktober 2015 in den Münchener Kammerspielen. Die Inszenierung des brisanten Themas als Tagung ermöglichte eine zugespitzte, zuweilen ironische Hinterfragung der Kriminalisierung von Fluchthilfe.

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Ländlicher Raum

»Erneuerbare Energien – eine Chance für die (europäischen) Landwirtschaft«

Landwirtschaft als europäische Herausforderung begreifen – diesen Ansatz wählten die Gemeinden Legden und Reszel für ihre Bürgerbegegnung, die im Oktober 2014 in Legden stattfand und von der Europäischen Union mit 5.000 Euro gefördert wurde. Deutsche und polnische Landwirt/innen sowie interessierte Bürger/innen beschäftigten sich fünf Tage lang intensiv mit europäischer Agrarpolitik und erneuerbaren Energien. Die etwa 40 polnischen Gäste wurden in Gastfamilien auf landwirtschaftlichen Höfen untergebracht und konnten so direkt die täglichen Arbeitsabläufe dort miterleben. Betriebsbesichtigungen in einer Biogasanlage, einem Windpark und einem Milchviehbetrieb verdeutlichten, welche Möglichkeiten erneuerbare Energien und moderne Technologien für die Landwirtschaft bieten, und regten zum Austausch über die unterschiedlichen Bedingungen in Deutschland und Polen an. Diese Themen konnten im Rahmen einer Podiumsdiskussion vertieft werden. Expert/innen aus EU-, Bundes- und Landesparlament referierten über nationale und EU-Subventionen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in landwirtschaftlichen Berufen und die Hintergründe der EU-Agrarpolitik und stellten sich den Fragen der Teilnehmer/innen. Die Ergebnisse der Diskussion wurden in einem Memorandum zusammengefasst, das in den Partnergemeinden verbreitet werden wird und als Grundlage für weiteren Austausch und Kooperation dienen soll.

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»RADAR - Rural Areas Defence Against Racism«

© EZBB d RFV e.V.

Nationalistische Strömungen gehen oft mit Rassismus und Europafeindlichkeit einher und bedrohen den europäischen Integrationsprozess sowie die Anerkennung der gemeinsamen europäischen Werte. Solche Auffassungen stehen im Gegensatz zur Entwicklung einer europäischen Identität und scheinen – so die Beobachtung der Projektträger – in ländlichen Gebieten stärker ausgeprägt zu sein als in der Stadt. Diesem Phänomen entgegenzuwirken, war Ziel des zivilgesellschaftlichen Projektes »Rural Areas Defence Against Racism – RADAR « (Ländliche Regionen verteidigen sich gegen Rassismus), das die Bildungs- und Jugendeinrichtungen Europazentrum Brandenburg-Berlin (DE), der Europaverein Choja – Gryfino (PL), der Verein »Krankenpflegeschule« Cheb (CZ) und die Bürgerwehr Ungarn (HU) von September 2008 bis Juli 2009 gemeinsam durchführten. Alle Organisationen sind in ländlichen Regionen angesiedelt, die ähnlich strukturiert sind.
Im Rahmen einer Konferenzreihe trafen sich Bildungsvertreter/innen und Jugendarbeiter/innen aus den Partnerländern, um sich ein Bild über Erscheinungen von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in den jeweiligen Ländern zu machen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsam Konzepte zu entwickeln, wie sie in ihren Regionen wirksam und nachhaltig bekämpft werden können. Neben einer gemeinsamen Auftaktkonferenz im September 2008 in Pinnow (DE) gab es insgesamt drei nationale Konferenzen in den weiteren Partnerländern sowie im Anschluss eine Vertiefungskonferenz, die in Kolberg (DE) stattfand. Die ca. 50 Teilnehmer/innen untersuchten in erster Linie, ob und in welchem Umfang sich die Menschen, die in ländlichen Gebieten in Deutschland, Polen, Ungarn und Tschechien leben, fremdenfeindlich und rassistisch verhalten und wie die Bevölkerung und Institutionen darauf reagieren. Schwerpunkte der einzelnen Veranstaltungen waren unter anderem die Problematik der Neonazis in Deutschland und die Gewalt gegen und die Diskriminierung von Sinti und Roma in Tschechien und Ungarn. Jede beteiligte Organisation hat das Seminar in ihrem Land selbständig inhaltlich gestaltet und organisiert. Unterstützt wurde das Projekt RADAR von der Europäischen Union mit 40.200 Euro.

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Digitalisierung

»ST (NS)A SI«

Für das vom Jenaer Verein Recht in Europa e.V. gemeinsam mit vier Partnern aus Bulgarien, Deutschland, Rumänien und Slowenien eingereichte Geschichtsprojekt »ST (NS)A SI – Persönlichkeitsrechte schützen – Menschenwürde vor und nach dem Mauerfall« wurde eine EU-Förderung in Höhe von 87.500 Euro bewilligt. Der 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer war der Ausgangspunkt, um die Praxis der Überwachung durch die Stasi in der DDR-Diktatur im gesamteuropäischen Kontext zu diskutieren und eine Verbindungslinie zum aktuellen NSA-Skandal herzustellen. Mit diesem historischen Brückenschlag möchten die Veranstalter für die Bedrohungen der europäischen Grund- und Menschenrechte durch die aktuelle Praxis der Datenspeicherung sensibilisieren. Dazu finden zwischen Dezember 2014 und Januar 2016 zahlreiche Aktivitäten in Jena, Lüneburg, Maribor (SI), Pleven (BG) und Timisoara (RO) statt: Jugendliche interviewen Stasi-Opfer und eine Schultheatergruppe erarbeitet das Theaterstück »Ausgespäht«. Bei Podiumsdiskussionen debattieren Politiker/innen, Expert/innen und Bürger/innen über die Bedeutung von Persönlichkeitsrechten und Menschenwürde in Europa. Die Veranstalter rechnen mit rund 1.600 Teilnehmenden.

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»Europe 2038 - Voice of the youth«

Die Universität Passau beteiligt sich an einem zivilgesellschaftlichen Projekt, das die Visionen der jungen europäischen Generation erforschen und ihren Ideen auf europäischer Ebene Gehör verschaffen will. Das Projekt möchte dadurch zur Entstehung eines gemeinsamen Verständnisses der EU beitragen. Projektkoordinator ist die Fachhochschule Oberösterreich, fünf Universitäten aus Albanien, Großbritannien, Italien, Rumänien und Spanien sind als Partner eingebunden. Die EU-Kommission fördert das Projekt von Januar 2016 bis Juni 2017 mit 150.000 Euro.
Um möglichst viele junge Menschen erreichen zu können, setzen die Forschungseinrichtungen auf das Instrument der Online-Umfrage. Mindestens 250 Personen sollen in jedem Partnerland dazu befragt werden, wie sie sich Europa im Jahr 2038 vorstellen: Welche Ideen haben sie für den Umgang mit demografischem Wandel, Finanzkrise, Migration, Diskriminierung oder Radikalisierung? Die Ergebnisse der Studie fließen in die paneuropäische Erklärung »Europe 2038« ein, die den EU-Institutionen präsentiert wird und diesen Wege aufzeigen soll, wie sie Jugendliche und ihre Interessen besser in ihre Politik einbinden können.
Darüber hinaus wird es Fortbildungsseminare für Lehrer/innen, Jugend- und Sozialarbeiter/innen, Freiwillige und Organisationen der Jugendarbeit geben, um sie in ihrer Funktion als Multiplikatoren für den Einsatz gegen soziale Benachteiligung und für mehr Jugendpartizipation zu stärken. Fortschritte, Ergebnisse und aktuelle Informationen zu europäischen Themen werden über die Projekthomepage und die verschiedenen Facebook-Seiten, welche die Projektpartner in der jeweiligen Landessprache betreuen, kommuniziert.

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