Broschüre: »Aktive europäische Erinnerung« in Deutschland

Beispiele von Projekten, die sich thematisch mit der Zeit des Nationalsozialismus und Stalinismus befassen und im Rahmen von Aktion 4 »Aktive europäische Erinnerung « in den Jahren 2005 bis 2011 von der EU gefördert wurden, finden Sie auch in der Broschüre» ›Aktive europäische Erinnerung‹ in Deutschland«.

Die Broschüre können Sie kostenfrei bei der Kontaktstelle EfBB bestellen.

Die Broschüre als pdf-Download (2,01 MB)


Archiv: »Europa für Bürgerinnen und Bürger« (2007-2013)

Aktion 4

Beispiele von Projekten, die im Rahmen der Aktion 4 »Aktive europäische Erinnerung« gefördert wurden, können Sie sich hier ansehen.

NS-Verfolgte im Zuchthaus Hameln 1942-45

In den Jahren 1942 bis 1945 inhaftierten die Nationalsozialisten überwiegend Widerstandskämpfer aus Belgien, Luxemburg und den Niederlanden im Zuchthaus Hameln. Die Erforschung der individuellen Schicksale von 853 Häftlingen des Zuchthauses machten sich der Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Hameln e.V. und die Stiftung niedersächsische Gedenkstätte in Celle 2013 und 2014 zu einer ihrer Hauptaufgaben in dem Erinnerungsprojekt »Bürger aus den Benelix-Staaten als NS-Verfolgte im Zuchthaus Hameln 1942-1945«. Das Projekt wurde im Rahmen der Aktion 4 »Aktive europäische Erinnerung« des Programms »Europa für Bürgerinnen und Bürger« 2007-2013 mit einem Zuschuss von 23.000 Euro gefördert. Die Teilnehmenden, darunter ca. 52 Schüler/innen der Stadt Hameln recherchierten u.a. in Archiven, führten Interviews mit Zeitzeugen und deren Angehörigen und besuchten Gedenkstätten in Deutschland, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. Die Ergebnisse ihrer Recherchen stellten sie in einer zweisprachigen Wanderausstellung unter dem Titel »Schritte zur Erinnerung nach 70 Jahren« dar, die vom 19.06 bis 31.07.2014 in Hameln gezeigt wurde und von über 1.000 Menschen besucht wurde. Anschließend wird sie an weiteren Orten in den Benelux-Ländern und Deutschland zu sehen sein.

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Erinnerungen entlang der Oder

Zwischen Dezember 2012 und Mai 2014 führen die Begegnungsstätte Schloss Trebnitz und ihre acht Projektpartner aus Deutschland, Polen und Tschechien, darunter Vereine, Museen und Forschungs- sowie Bildungseinrichtungen, das Erinnerungsprojekt »Odra – Oder – Odra« durch, das die EU mit 99.000 Euro fördert. In sechs Geschichtswerkstätten an verschiedenen Orten entlang der Oder diskutieren 35 Schüler/innen und 15 Studierende mit Zeitzeugen über Ereignisse, die während des Zweiten Weltkrieges ihr Schicksal geprägt haben. Die Gespräche mit den Zeitzeugen zeichnen die Teilnehmer/innen mit der Kamera auf, denn das Kernstück des Projektes ist die Erstellung von Filmen, die die Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus und Stalinismus mithilfe der sogenannten »Oral History-Methode« dokumentieren. Zum einen geht es um die Unterschiede zwischen nationalen Erinnerungen und der europäischen Erinnerung. Zum anderen werden die Schlüsse, die aus den kollektiven Gewalterfahrungen gezogen werden können, sowie die gemeinsamen europäischen Werte thematisiert. Vor der Erstellung einer Internetseite, auf der die Ergebnisse veröffentlicht werden, kann ein Zeitzeugeninterview bereits bei Youtube angesehen werden. Zum Abschluss des Projektes wird während einer zweitägigen Konferenz im März 2014 eine Ausstellung eröffnet, die dann als Wanderausstellung an ver-schiedenen Orten zu sehen sein wird.

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»Haus der 1000 Namen«

Mit 23.800 Euro hat die Europäische Union das Erinnerungsprojekt »Haus der 1000 Namen« unterstützt, das die KZ Gedenkstätteninitiative Leonberg und fünf weitere Einrichtungen zwischen Dezember 2012 und September 2013 umgesetzt haben. Die Projektpartner sind Einrichtungen aus Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Ungarn, die sich der Erinnerungsarbeit zum Nationalsozialismus widmen. Während eines einwöchigen Jugendcamps im April/Mai 2013 haben sich 315 Schüler/innen und Auszubildende aus zehn Klassen der Stufen 8 bis 11 in der KZ Gedenkstätte Leonberg mit dem Thema Vernichtung durch Arbeit auseinandergesetzt und zusammen mit dem Künstler Johannes Kares eine Skulptur gestaltet. Die Jugendlichen haben die Namen von 986 bisher unbekannten Männern, die während des Zweiten Weltkriegs im KZ Leonberg gefangen waren, in Stahltafeln geschlagen. Eingehängt in die Skulptur »das Haus«, ergänzen diese Tafeln die Namenswand in der KZ Gedenkstätte. Für bisher Vergessene entstand so ein Ort der Erinnerung. Dieser wurde am 9. Mai 2013 in Anwesenheit aller Beteiligten, Zeitzeugen und Vertretern aus Politik und Verwaltung eingeweiht.

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Memoria 21

Konfrontiert mit einer »Zeit ohne Zeitzeugen«, in der die Erzählung Überlebender zunehmend in den Hintergrund rückt, wird der Holocaust zu Beginn des 21. Jahrhunderts in veränderter Weise wahrgenommen. Das Projekt »Memoria 21 - Didaktisierung von Holocaustliteratur«, das 2010 und 2011 durchgeführt wird, hat Texte von unbekannten Verfassern aus den oberschwäbischen Außenlagern der Konzentrationslager Dachau, Natzweiler und Buchenwald in einer Datenbank zusammengeführt, um Zeugnisse der lebendigen Erinnerung zugänglich zu machen. 20 bis 30 Texte wurden für eine Print-Publikation ausgewählt und didaktisch aufbereitet. Diese Handreichung, die auch deutsche und polnische Übersetzungen enthält, bietet Lehrkräften, BürgerInnen und WissenschaftlerInnen Material für die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der Holocaustopfer. Organisatorin des Projekts war die Pädagogische Hochschule Weingarten. Beteiligt waren außerdem wissenschaftliche Einrichtungen aus Deutschland und Polen. Die EU unterstützt das Projekt mit einem Betrag in Höhe von 54.032 Euro.

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»Politische Häftlinge erzählen«

Eine wichtige Rolle bei der Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland spielen persönliche Häftlingserinnerungen, denn aus den Unterlagen des DDR-Staatssicherheitsdienstes lässt sich der menschenunwürdige Umgang mit den Gefangenen nur schwer rekonstruieren. Die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen betreibt dafür ein Zeitzeugenbüro, das sowohl amtliche Unterlagen als auch persönliche Haftberichte, Veröffentlichungen, Fotos oder heimlich gefertigte Gegenstände sammelt. Im Jahr 2008 wurde im Rahmen des Projektes »Das zentrale Untersuchungsgefängnis des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes in Deutschland im Spiegel von Opferberichten« die Tätigkeit des Zeitzeugenbüros ausgebaut: Eine inhaltliche Auswertung der Interviews durch Wissenschaftler ermöglicht gesicherte und quantifizierbare Aussagen sowohl über die Lebensbedingungen in der Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen, als auch über das System politischer Haft in der DDR. Daneben führen Zeitzeugen – ehemalige politische Häftlinge – interessierte Besucher/innen durch die Gedenkstätte und vermitteln ihre persönlichen Erfahrungen. Die EU unterstützte dieses Projekt mit ca. 40.000 Euro.

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